Handlungsempfehlungen zum Jahresende

Zum Jahresende möchten wir Sie dafür sensibilisieren, ob mit Blick auf das endende Jahr 2013 unter steuerlichen Gesichtspunkten Handlungsbedarf besteht. Bitte beachten Sie, dass die allgemeinen Informationen eine individuelle Beratung nicht ersetzen können. Wenn Sie Fragen haben, oder möglicherweise Handlungsbedarf sehen, so sollten Sie uns bitte rechtzeitig vor dem Jahreswechsel kontaktieren, damit wir gemeinsam klären können, ob und wie Sie in diesem Jahr noch reagieren sollten.

I. Handlungsbedarf bei Unternehmen

1. Wesentliche steuerrechtliche Neuerung zum 01. Januar 2014

Mit Beginn des neuen Kalenderjahres 2014 treten zahlreiche steuerrechtliche Neuerungen in Kraft. Für die Praxis sind dabei insbesondere die steuerrechtlichen Neure-gelungen des Reisekostenrechts zu beachten. Neben geänderten Verpflegungsmehraufwendungen, Änderungen bei der doppelten Haushaltsführung und der steuerfreien Erstattung im Rahmen von Dienstreisen ist insbesondere der neu definierte Begriff der ersten Tätigkeitsstätte zukünftig zu beachten.

Darüber hinaus sind die neuen Nachweisregelungen für innergemeinschaftliche Lieferungen ab Beginn des neuen Jahres zwingend zu beachten. Kernpunkt dieser Regelung ist die sogenannte Gelangensbestätigung. Hierbei hat ein Unternehmer auf unterschiedlichste Weise von seinem Kunden im europäischen Ausland eine Bestätigung über das Gelangen einer gelieferten Ware ins europäische Ausland einzuholen.

Auch die Regelungen zur Erstellung und Einreichung der E-Bilanz werden in 2014 die Praxis beschäftigen. Jahresabschlüsse des zum 31. Dezember 2013 endenden Geschäftsjahres sind erstmals nach der von der Finanzverwaltung herausgegebenen Taxonomie zu gliedern und auf elektronischem Wege in 2014 an die Finanzverwaltung zu übermitteln.

2. Überprüfung der Kapitalkonten insbesondere bei Personengesellschaften

Bei Personengesellschaften (GmbH & Co. KG, KG, OHG etc.) kann das Entnahmeverhalten der Gesellschafter starken Einfluss auf die Besteuerung der Gesellschaft und deren Gesellschafter haben. Beispielsweise können zu hohe Entnahmen Auswirkungen auf den Schuldzinsenabzug der Gesellschaft haben. Im Verlustfall der Gesellschaft können Entnahmen u.a. dazu führen, dass die Verluste der Gesellschaft bei dem Gesellschafter nicht steuermindernd angesetzt werden können.

Im Falle der Thesaurierung von Gewinnen und Anwendung der sog. Thesaurierungsbesteuerung (Besteuerung der im Unternehmen verbleibenden Gewinne mit nur 28,25% Einkommensteuer zzgl. Solidaritätszuschlag und nachgelagerte Besteuerung mit 25,0 % zzgl. Solidaritätszuschlag) können Entnahmen, die den laufenden steuerlichen Gewinn 2013 übersteigen, zu Nachversteuerung von thesaurierten Gewinnen der Vergangenheit führen.

Auch auf in Anspruch genommene erbschaft- und schenkungsteuerliche Vergünstigungen können sich Entnahmen negativ auswirken. Wenn Sie als Beschenkter fünf bzw. sieben Jahren nach dem Übertragungszeitpunkt der Geschäftsanteile Entnahmen aus Ihrem Unternehmen tätigen, die die Summe der Einlagen und des zuzurechnenden Gewinns oder Gewinnanteile innerhalb des fünf- bzw. siebenjährigen Zeitraums um mehr als EUR 150.000,00 oder EUR 52.000,00 (bei Schenkungen bis 2008) übersteigen.

Gerne können Sie uns eine aktuelle Auswertungen Ihres Rechnungswesens zukommen lassen, anhand derer wir die Entwicklung Ihrer Kapitalkonten überprüfen können.

3. Vermeidung der Zinsschranke

Die sogenannte Zinsschranke begrenzt den betrieblichen Schuldzinsenabzug, wenn bei einem Betrieb in einem Wirtschaftsjahr der Saldo zwischen Zinserträgen und Zinsaufwendungen negativ ist und 30% des steuerlichen Gewinns vor Steuern, Zinsen und Abschreibungen übersteigt. Anzuwenden ist diese Regel jedoch erst ab einem negativen Zinssaldo, der die Freigrenze von EUR 3 Mio übersteigt. Insbesondere wenn diese Freigrenze nur knapp überschritten wird, kann die Zinsschranke durch gezielte Maßnahmen vermieden werden. Nicht verrechnete Zinsaufwendungen können vorgetragen werden.

4. Vereinbarungen mit nahestehenden Personen

Im Steuerrecht ist die Anerkennung von Vereinbarungen mit nahestehenden Personen (z.B. Konzerngesellschaften oder Gesellschaftern) davon abhängig, dass diese Vereinbarungen im Voraus, schriftlich, klar und eindeutig getroffen werden. Es empfiehlt sich daher, im laufenden Jahr eine Überprüfung der individuellen Vertragssituation vorzunehmen, um ggf. Anpassungen an die zukünftig geplante Verfahrensweise und Entwicklung vorzunehmen. Beispielsweise sind hier Zinsen bei Konzern- oder Gesellschafterdarlehen zu nennen. Auch bei der Anpassung von Bezügen der Gesellschafter-Geschäftsführer kann sich Handlungsbedarf ergeben.

5. Maßnahmen bei Verlustsituationen

Haben Sie mit Ihrer Unternehmung Verluste erlitten, sollte geprüft werden, ob Maß-nahmen zu ergreifen sind, um diese Verluste steuerlich nutzen zu können oder zumindest zu sichern. So kann die Übertragung von Anteilen an Unternehmen zu einem vollständigen Wegfall der steuerlichen Verluste führen. Bei verlustträchtigen Kapitalgesellschaften kann es rein steuerlich sinnvoll sein, bis zum Ende des Jahres einen Ergebnisabführungsvertrag abzuschließen und in das Handelsregister eintragen zu lassen, um die Verluste der Gesellschaft bei dem Gesellschafter zu nutzen. Bei Personengesellschaften ist die Überprüfung der Kapitalkonten anzuraten.

Zum Jahresende stellt sich zudem regelmäßig die Frage, ob eingetretene Verluste noch in diesem Jahr realisiert werden sollten, um dadurch einen steuerlichen Aus-gleich mit Gewinnen zu erreichen. Insbesondere bei verlustträchtigen Beteiligungen an Kapitalgesellschaften stellt sich die Frage, ob durch einen Verkauf oder ggf. durch eine Liquidation noch Verluste realisiert werden können.

Auch im Falle einer erfolgreichen Sanierung müssen Altverluste im Auge behalten werden. Diese sind nur in Höhe von EUR 1,0 Mio p.a. und der EUR 1,0 Mio über-steigende Betrag zu 60% verrechenbar. Kommt diese sog. Mindestbesteuerung zum Zuge, sollte regelmäßig geprüft werden, ob durch geeignete Maßnahmen Gewinne vorverlagert werden können.

6. Mindestlohnsumme einhalten

Die Belastung von vererbten oder verschenkten Unternehmen und Unternehmens-Anteilen mit Erbschaft- und Schenkungsteuer ist u. a. abhängig von der Einhaltung der sogenannten Mindestlohnsumme. Um die erbschaft- und schenkungsteuerlichen Verschonungen nicht zu gefährden, müssen die gezahlten Löhne und Gehälter nach Ablauf von fünf bzw. sieben Jahren eine gewisse Mindestrelation zu den Löhnen und Gehältern bei Übertragung aufweisen. Rechtzeitig vor Ablauf der Frist sollte geprüft werden, ob Maßnahmen zu ergreifen sind, um die Mindestlohnsumme stabil zu halten. Solche Maßnahmen könnten z.B. die Anhebung des Unternehmerlohnes sein oder die Integration von freien Mitarbeitern oder Leiharbeitern als Arbeitnehmer in den Betrieb, solange dies wirtschaftlich sinnvoll erscheint.

Auch wenn Sie beabsichtigen, in naher Zukunft Ihren Betrieb, oder Anteile daran, zu verschenken, könnte bereits jetzt Gestaltungsbedarf hinsichtlich der Mindestlohnsumme bestehen.

7. Bildung von Rücklagen

Werden bestimmte Wirtschaftsgüter des Anlagevermögens mit Gewinn veräußert, kann dieser Gewinn in eine Rücklage eingestellt werden und steuerneutral auf die Anschaffung eines bestimmten Ersatzwirtschaftsgut übertragen werden (§6b-Rücklage). Erfolgt keine Ersatzinvestition innerhalb von vier Jahren (bei neu hergestellten Gebäuden sechs Jahren), ist die Rücklage gewinnerhöhend aufzulösen und mit 6% p.a. des aufgelösten Betrages zu verzinsen. Soweit das Kalenderjahr dem Wirtschaftsjahr entspricht, endet der Reinvestitionszeitraum zum 31.12.2013 für die im Jahr 2009 gebildeten Rücklagen.

Kleinere Unternehmen (Eigenkapital < TEUR 235; steuerlicher Gewinn < TEUR 100) haben zusätzlich die Möglichkeit, Aufwendungen für bestimmte, in den folgenden drei Jahren geplante Investitionen teilweise vorzuverlagern (sog. Investitionsabzugsbetrag).

8. Umwandlungen und Neustrukturierungen in 2014

Sind in 2014 Umwandlungen, insbesondere Einbringungen nach den Regelungen des Umwandlungsteuergesetzes vorgesehen, so wirken diese Vorgänge, soweit sie spätestens im August 2014 durchgeführt werden, regelmäßig auf den 31.12.2013 zurück.

Um eine steuerneutrale Umwandlung in 2014 zu gewährleisten, sollte darauf geachtet werden, dass bis zum Umwandlungszeitpunkt keine Steuererklärung, insbesondere keine Steuerbilanz, dem Finanzamt eingereicht wird.

II. Handlungsbedarf bei Privatpersonen

1. Verluste bei Einkünften aus Kapitalvermögen überprüfen

Bei Verlusten im Bereich des Kapitalvermögens ist im Rahmen der Abgeltungsteuer ein Verlustausgleich regelmäßig nur mit anderen Einkünften aus Kapitalvermögen möglich. Somit kommt eine Verrechnung mit anderen Einkunftsquellen zumeist nicht in Betracht. Auch ist bei den Einkünften aus Kapitalvermögen ein Verlustrück-trag nicht möglich, sondern lediglich eine Verrechnung mit zukünftigen Gewinnen. Dies kann es sinnvoll machen, Verluste noch in diesem Jahr zu realisieren, um dadurch eine Verrechnung mit Kapitalgewinnen des Jahres 2013 zu erreichen.

Die laufende Verrechnung von realisierten Verlusten mit realisierten Gewinnen bereits durch die Bank gelingt nur dann, wenn alle Konten und Depots bei nur einem Kreditinstitut bestehen. Die Verlustverrechnung zwischen verschiedenen Kreditinstituten ist dagegen nur im Wege der Veranlagung möglich. Hierzu müssen Sie bei der betreffenden Bank eine Verlustbescheinigung spätestens bis zum 15.12.2013 beantragen. Geschieht dies nicht, werden die Verluste bankintern vorgetragen und mit positiven Kapitalerträgen des Folgejahres verrechnet.

Weitere Besonderheiten ergeben sich, wenn aus der Zeit vor 2009 sogenannte Alt-Verluste aus Spekulationsgeschäften vorhanden sind. Diese Alt-Verluste aus der Zeit vor Einführung der Abgeltungssteuer sind grundsätzlich nur mit Gewinnen aus der Veräußerung von Wertpapieren und Aktien sowie zeitlich beschränkt nur noch bis zum Ende dieses Jahres verrechenbar. Aufgrund der zeitlichen Restriktionen sollten diese Alt-Verluste vorrangig genutzt werden. Gerne können wir zweckmäßige Transaktionen besprechen oder Sie sollten die Möglichkeiten mit Ihrer Bank erörtern.

2. Verbilligte Vermietung

Wird Wohnraum günstig vermietet (z.B. an nahe Angehörige), können mit der Vermietung zusammenhängende Aufwendungen dann nicht mehr im vollen Umfang steuerlich geltend gemacht werden, wenn die Miete für die Überlassung einer Wohnung weniger als 66% der ortsüblichen Marktmiete beträgt. Liegt die Miete (knapp) unter dieser Grenze, könnte es u. U. sinnvoll sein, über eine entsprechende Mieterhöhung nachzudenken.

3. Überprüfung der Zahlungen für Altersvorsorge

Zahlungen für die Altersvorsorge sind in gewissen Grenzen als Sonderausgaben steuermindern im Jahr der Zahlung absetzbar. Regelmäßig versenden Versicherungsunternehmen zum Jahresende Hinweise, dass die Möglichkeit von freiwilligen Sonderzahlungen besteht. Gerne prüfen wir Ihre private Versicherungssituation, um feststellen zu können, ob eine Zahlung für private Vorsorgeaufwendungen unter steuerlichen Gesichtspunkten in 2013 noch sinnvoll erscheint.

III. Sonstige Hinweise zum Jahresende

Mit Änderung des Grundgesetzes haben die Bundesländer seit 2006 die Befugnis erhalten, abweichende Grunderwerbsteuersätze festzulegen. Aktuell ist mit Wirkung zum 01.01.2014 eine Erhöhung des Grunderwerbsteuersatzes in Berlin (von derzeit 5,0 auf 6,0 %), in Bremen (von derzeit 4,5 auf 5,5 %) und in Schleswig-Holstein (von derzeit 5,0 auf 6,5 %) geplant. Sollten Sie beabsichtigen in den vorgenannten Bundesländern Immobilien zu erwerben, so kann der niedrigere Grunderwerbsteuersatz noch genutzt werden, wenn ein Kaufvertrag in 2013 abgeschlossen wird.

Bei detaillierten Fragen sprechen Sie uns bitte an. Ihr Ansprechpartner in unserem Hause ist

WP/StB Kai Arnold
k.arnold@zacharias-demmer.de
Tel. 0221 120212
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